Jörg Hagemann

Pfarrer Hagemann

Pfr. Jörg Hagemann

Leitender Pfarrer,  Stadtdechant

Kontakt:

Herrenstr. 15, 48167 Münster
Tel. 02506 8101111
Email: hagemann-j@bistum-muenster.de

Aufgaben: Leitung der Kirchengemeinde, Gottesdienste, Sakramente, Kirchenvorstand, Pfarreirat, Personalführung, Büchereien, Caritas, Kommunionhelfer- / Lektorendienst, Spiritualität 

Predigten:

Predigten zum nachlesen:

Predigten zum nachhören:

Hier geht es zum Podcast mit Predigten von Jörg Hagemann

Interview

Pfarrer Hagemann, hinter jedem Christ steht bekanntlich eine Glaubensgeschichte. Was mögen Sie uns über Ihre Herkunft und Ihren Weg zum Priesteramt erzählen?

Meine Glaubensgeschichte lässt sich eigentlich in zwei Teile unterteilen. Einem eher klassischen ersten Teil im münsterländischen Neuenkirchen. Dieser Abschnitt meiner Biographie ist gekennzeichnet von meiner ehrenamtlichen Mitarbeit in der Pfarrgemeinde und der Begleitung durch mein Elternhaus und durch den damaligen Pfarrer Josef Grube.

Nach der Ausbildung zum Krankenpfleger und meiner Überlegung, Priester werden zu wollen, verlagerte sich in einem zweiten Teil meine Glaubensbiographie aus dem katholischen Dorf Neuenkirchen weg. Ich habe das Abitur nachgeholt und in Münster und Tübingen Theologie studiert. Innerhalb dieser Jahre gab es viele, ganz unterschiedliche spirituelle Aufbrüche in meinem Leben. Meine ganz persönlichen Fragen nach meiner Berufung und da auch nach meiner Lebensform, fanden Antworten in der Exerzitienspiritualität des Gründers des Jesuitenordens, des Heiligen Ignatius von Loyola (1491-1556). Dieser Mann, der auf der Schwelle zur Moderne lebte, hat es sich – gerade auch durch seine eigene Glaubensgeschichte – zur Aufgabe gemacht, einen individuellen Weg mit Christus zu ermöglichen, um der eigenen Berufung auf die Spur zu kommen. Den Hl. Ignatius habe ich durch die Gemeinschaft Christlichen Lebens (GCL) kennengelernt. Der GCL selbst bin ich seit vielen Jahren verbunden und habe für einige Zeit in ihr auch als kirchlicher Assistent Verantwortung übernommen.

Und wenn ich nun noch versuchen würde, meiner aktuellen Glaubensgeschichte eine Überschrift zu geben, ist diese in der ignatianischen Spiritualität der GCL zu finden. Neben dem Austausch in einer festen Gruppe geht es dieser geistlichen Gemeinschaft darum, durch Exerzitien und geistliche Tagesrückblicke, durch die Feier der Eucharistie und das Lesen der Bibel im besten Sinne „alltäglich“ Jesus Christus nahe zu kommen. Diese Nähe brauchte es immer wieder, um meiner Berufung als Christ und Priester treu zu bleiben!

Gibt es ein Zitat aus der Bibel, oder einen theologischen Leitspruch, der für Ihren Glaubensweg eine besondere Rolle spielt?

Auch wenn die ignatianische Spiritualität immer mit Entscheidungen zu tun hat, muss ich hier doch zwei Zitate vorstellen:

Zuerst meinen Primizspruch: „Gott ist der, der durch die Macht, die in uns wirkt, unendlich viel mehr tun kann, als wir erbitten oder uns ausdenken können“ (nach Eph 3,20). Diesen Spruch hat mir Josef Grube als Pfarrer meiner Heimatgemeinde zum Abschied aus Neuenkirchen in ein kleines griechisches Neues Testament geschrieben. Er hat mich durch meine ganze weitere Ausbildung und Bildung hin bis zum heutigen Tag als Mahnung und Chance begleitet. Gott bietet einer Jeden und einem Jeden von uns verschiedene Möglichkeiten, die Welt und die Kirche mitzugestalten!

Und nun der zweite Spruch, der wieder von Ignatius von Loyola stammt: „Die meisten Menschen ahnen nicht, was Gott aus ihnen machen könnte, wenn sie sich ihm nur zur Verfügung stellen würden.“ Dieses Zitat baut fast auf mein erstes Zitat auf, es verschärft das dort Gesagte nochmals um die Dimension, dass wir uns Gott ganz überlassen sollen und so wirken können.

In welchen Bereichen Ihrer seelsorgerischen Aufgaben steckt bei Ihnen besonders viel Herzblut?

Überall soll es darum gehen, einen Weg von uns Menschen mit Jesus Christus zu gestalten. Diese Dimension findet sich ganz stark in kritischen und außergewöhnlichen Phasen des menschlichen Lebens. Daher sind mir neben den katechetischen Impulsen bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen gerade die pastoralen Felder nahe, wo es um existenzielle Veränderungen im menschlichen Leben geht, d. h. neben dem Bereich der Sterbe- und Trauerbegleitung auch die Begleitung von Hochzeitspaaren auf ein gemeinsames Ja vor Gott hin. Nicht vergessen möchte ich den Bereich der Exerzitienspiritualität, hier besonders die Einzelbegleitung und Exerzitienangebote, sowohl als Exerzitien im Alltag als auch Kursexerzitien.

Als Seelsorger in Recklinghausen, in Coesfeld und in St. Benedikt Münster waren Sie jeweils in fusionierten Pfarreien tätig. Worin liegen die Chancen einer fusionierten Pfarrei? Und worauf muss man achten, damit eine Gemeindezusammenführung gelingt?

Ich möchte bei all dem zukünftigen Tun immer einen Weg mit Jesus Christus von den Menschen aus gehen. Eine Fusion hat nur dann Sinn, wenn sie aus dieser Richtung gedacht, gestaltet und auch gebetet wird. In unserer Kirche geht es darum, dass Menschen sich versammeln und in Gemeinschaft Gottesdienst feiern. Hierbei meine ich nicht ausschließlich die Feier unseres Glaubens in der Liturgie, sondern auch in der Caritas, der Verkündigung und der Bildung von Gemeinschaft. Ich glaube, dass wir uns in Zukunft immer mehr zusammentun müssen, um diese Form des „Gottes-Dienstes“ mit vielen Menschen attraktiv feiern zu können. Wenn wir uns immer weiter vereinzeln würden, sähe ich die große Gefahr, dass wir als Kirche immer „uninteressanter“ für fernere Menschen werden.

Daher sehe ich in den neuen fusionierten und größeren Pfarrgemeinden eine Chance, vielleicht sogar im Moment die Chance für unsere Zukunft. Dies gelingt aber nur, wenn wir möglichst viele, möglichst alle Menschen mit auf diesen zukunftsträchtigen und geistlichen Weg nehmen. Daher ist für mich eine Fusion kein ausschließlicher Verwaltungsakt, sondern ein betendes Geschehen einer sich immer weiter entwickelnden Kirche vor Ort, im Bistum und in der Welt.

 

 

Kommentare sind geschlossen